Die ungarischen Dialekte
- unterscheiden sich zumeist nur in der Aussprache. Daher sind Sprecher der verschiedenen ungarischen Dialekte fast immer in der Lage, auch die anderen ungarischen Dialekte zu verstehen. Eine Ausnahme bildet hier nur der Csángó-Dialekt der Moldau.
- Nach der klassischen Theorie werden im ungarischen Sprachraum neun große Dialektgruppen unterschieden:
- die Süddialekte
Diese Dialekte werden im Süden der Großen Ungarischen Tiefebene gesprochen, also südlich von Budapest, zwischen Donau und Theiß sowie westlich der Donau südlich des Plattensees. Das Dialektgebiet umfasst auch die Vojvodina (in Serbien) und das rumänische Banat.
Lexikalisch gesehen ist das Dialektgebiet sehr gemischt, da weite Landstriche in der Zeit der Besatzung durch das Osmanische Reich entvölkert und anschließend durch Sprecher aus anderen Regionen neu besiedelt wurden. Es finden sich auch Dialektwörter aus den benachbarten Dialektgebieten. - die transdanubischen Dialekte
Das transdanubische Dialektgebiet umfasst die westlich der Donau gelegenen Landesteile Ungarns und ist vielfältig untergliedert. In der Lexik sind neben inneren Entwicklungen südslawische und deutsche Einflüsse zu beobachten, z. B. ja statt igen. - die westtransdanubischen Dialekte
Diese auch als „Westdialekte“ bezeichneten Dialekte werden westlich des Gebiets gesprochen, auf dem die transdanubischen Dialekte verbreitet sind, also in den Grenzgebieten zu Österreich und im Burgenland. In lexikalischer Hinsicht ist der häufige Gebrauch des deutschen ja statt igen zu erwähnen. - die Nordwestdialekte
Diese auch „Palóczen-Dialekte“genannten Dialekte werden in Nordungarn und in der Slowakei gesprochen. Das Dialektgebiet beginnt östlich der Waag, verläuft nördlich der Donau und der Linie Budapest–Cegléd–Szolnok bis zur Theiß und zum Sajó-Hernád-Becken. Der Wortschatz dieser Dialekte weist Einflüsse aus dem Slowakischen auf. - die Nordostdialekte
Diese Dialekte bildeten den Ausgangspunkt für die ungarische Standard- und Literatursprache. Das Gebiet liegt nördlich des Oberlaufs der Theiß und die Region Transkarpatien in der Ukraine und umfasst südlich der Theiß bis zur Schnellen Kreisch auch den Nordwesten Rumäniens. - die Theiß-Dialekte
Diese Dialekte werden im östlichen Landesteil Ungarns gesprochen, der im Ungarischen Tiszántúl („jenseits der Theiß“) heißt und sich vom Mittellauf der Theiß in östlicher Richtung bis zum äußersten Westen Rumäniens erstreckt, also auch Teile der Bezirke Arad und Timiş umfasst. - die mittelsiebenbürgischen Dialekte
Diese Dialekte werden im Flachland Siebenbürgens und im Partium (Bezirke Arad, Bihor, Maramureş, Satu Mare und Sălaj) gesprochen. Morphologisches Merkmal dieser Dialekte ist die Verwendung einer in der Standardsprache geschwundenen Zeitform der Vergangenheit (Perfekt), die z. B. auch im Rumänischen vorhanden ist: mene („ich bin gegangen“), jövék („ich bin gekommen“). - die Székler-Dialekte
Diese Dialekte werden hauptsächlich im Széklerland gesprochen, also in den Bezirken Mureş, Harghita und Covasna. Die Székler-Dialekte heben sich weniger durch die Aussprache als durch die Syntax von den anderen Dialekten ab, die von Generation zu Generation vererbte vielfältige Redewendungen aufweist. Dies zeigt sich vor allem in der Volksdichtung, also im Stil der Volkslieder, -märchen und -balladen, und in den Romanen und Erzählungen von Schriftstellern, die sich stilistisch von der Vielfalt der Dialekte der Székler inspirieren ließen. - die Csángó-Dialekte
Diese Dialekte werden jenseits der Karpaten in der Region Moldau von etwa 62.000 Personen gesprochen, vor allem in den Bezirken Bacău, Neamţ, Iaşi und Vrancea.
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