Russische Dialekte im europäischen Teil Russlands
Nordrussisch
Nord-östlich einer Linie vom Ladogasee über Nowgorod und Jaroslawl bis Joschkar-Ola. Diese Mundart kennzeichnet sich durch ein klar ausgesprochenes unbetontes „o“ (оканье – Okanje), ein gutturales „g“ und ein hartes „t“.
Mundartengruppe von Ladoga und Tichwin
Mundartengruppe von Kostroma
Mundartengruppe von Wologda
Mundartengruppe von Onega
Mundarten von Beloozers
Mittelrussisch
Die Nördliche Grenze verläuft von Sankt-Petersburg über Nowgorod und Iwanowo bis Nischni Nowgorod und Tscheboksary, die südliche von Welikije Luki über Moskau bis Pensa. Dieses Gebiet zeigt sowohl nördliche als auch südliche Sprachzüge. Im Westen ist das unbetonte „o“ ein „o“, im Osten ein „a“ (аканье – Akanje).
Westmittelrussisch von Pskow
Westmittelrussisch von Nowgorod
Ostmittelrussisch von Moskau und Umgebung
Ostmittelrussisch von Jegorewsk und Umgebung
Ostmittelrussisch von Temnikow und Umgebung
Ostmittelrussisch vom Wolga-Wladimir Gebiet
Südrussisch
Im Bereich südlich von Welikije Luki über Rjasan bis Tambow. Hier spricht man das unbetonte „o“ als „a“, ein frikatives „g“ und ein weiches „t“.
Mundart von Rjasan
Mundartengruppe vom Dnjepr
Mundart von Oskol
Deutschrussisch - eine Mischsprache in Deutschland
- Deutschrussisch ist vornehmlich eine mündliche Sprache, deshalb gibt es dafür keine einheitliche schriftliche Norm
- Einige russischsprachige Einwanderer in Deutschland sprechen untereinander ihre eigene Mischsprache, indem sie deutsche Wörter in grammatische Strukturen des Russischen einbauen
- Das Russische fungiert also als Substratsprache und enthält je nach Sprecher unterschiedliche Mengen des deutschen Vokabulars. In seltenen Fällen können deutsche Wörter bis zur Hälfte der Mischsprache ausmachen
Je nach Sprecher können folgende Merkmale vorgefunden werden:
Übernahme und eventuell eine leichte Abänderung von Begriffen für deutsche Realia, zum Beispiel: Arbeitsamt, Sozial (für Sozialhilfe), Termin, Vertrag, Mietvertrag, Miete, Antrag, Schulamt, Arbeitslosengeld I und II, Beamter (für Beamte), Sprachi (für Sprachkurse vom Arbeitsamt), Bewerbung
Willkürliche Übernahme vom deutschen Alltagsvokabular. Dies geschieht oft unter anderem, wenn das entsprechende deutsche Wort weniger Silben hat als das russische. Vermehrt ist dieses Phänomen bei Menschen russischer Abstammung anzutreffen, die als kleine Kinder nach Deutschland kamen, und sich seitdem hauptsächlich der deutschen Sprache als Alltagssprache bedienten.
Wörtliche Übersetzungen aus dem Deutschen ins Russische, zum Beispiel: „Поставить антраг“ (Postawit Antrag) für „Antrag stellen“, „Сделать абитур“ (Sdelat Abitur) für „Abitur machen“, „Замельдоваться“ (Sameldowatsa) für „sich anmelden“. Bezeichnend ist dabei, dass wiederum die Wörter für die entsprechenden deutschen Realia direkt oder in einer abgeänderten Form übernommen werden. Das heißt, sie werden nicht ins Russische übersetzt.
Anlehnung an das Deutsche bei der Aussprache deutscher Eigennamen im Russischen (im Gegensatz zu der im Russischen üblichen Vokalverschiebung, die sich nach der Schreibung richtet). Zum Beispiel: А́йнштайн statt Эйнште́йн für Einstein, Ляйпциг statt Лейпциг für Leipzig, Фройд statt Фрейд für Freud.
In größerer oder geringerer Ausprägung lassen sich diese Merkmale sowie die weiter unten erläuterten Grammatikveränderungen in der Sprache fast jeden russischen Muttersprachlers in Deutschland beobachten, der schon seit einigen Jahren in diesem Land lebt.
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