Katharevousa „Die Reine (Sprache)“
- wurde im 19. Jahrhundert zunächst auf Basis der griechischen Volkssprache, später eher nach dem Ideal des klassischen Attisch entwickelt, da man die Notwendigkeit einer modernen Staats- und Bildungssprache feststellte und die gesprochene Volkssprache für die Zwecke des neu zu gründenden griechischen Staates nicht als ausreichend erachtete
- Der Initiator der Katharevousa war der Schriftsteller Adamantios Korais (1748–1833), der zunächst eine „gereinigte“ Form der neugriechischen Volkssprache befürwortete
- Später wurden zunehmend auch radikalere Sprachformen propagiert, die bis zum reinen Attizismus reichten
- Der Grundgedanke war, das gesprochene Griechisch von fremdsprachigen Einflüssen (z. B. aus dem Türkischen) zu reinigen und sehr volkstümliche Ausdrücke durch gehobenere zu ersetzen
- wurde mit der Staatsgründung als autoritäre und antikisierende Staatssprache etabliert, die mit dem ursprünglich von Korais verfolgten Ideal einer „verschönerten“ Volkssprache nicht mehr viel gemeinsam hatte und von keinem Menschen als Muttersprache gesprochen wurde
- wurde zwar nach wie vor immer als Neugriechisch bezeichnet, hatte aber in den meisten Fällen ein eher altgriechisches Aussehen, ist jedoch mit der altgriechischen Sprache keineswegs gleichzusetzen, da sie auch viele Formen und Wörter enthielt, die es im Altgriechischen nie gegeben hat
- war bis 1976 Amtssprache des Staates. Seitdem ist das natürliche und von Griechen als Muttersprache gesprochene Neugriechisch (auch als Dimotiki, oder genauer als Standard Modern Greek bezeichnet) alleinige Staatssprache Griechenlands sowie Amtssprache Zyperns und der Europäischen Union
- spielt in einigen Bereichen wie dem Rechtswesen und der Kirche weiterhin eine Rolle
- Viele Sprichwörter werden im Alltag in Katharevousa zitiert. Zahlreiche Wörter und grammatikalische Erscheinungen der Katharevousa sind ins Neugriechische eingegangen und werden heute nicht mehr als altertümlich oder gelehrt wahrgenommen.
- Die Zeitung „Estia“ erscheint als letzte Tageszeitung in Katharevousa und hat mit den Freunden der Hochsprache eine feste Leserschaft.
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